Der Wecker
Nichts ist in diesem Leben kecker
als so ein aufgeregter Wecker.
Er klaut die allerkühnsten Träume
und treibt schon früh uns auf die Bäume,
reisst uns aus Wärme, Wohlbehagen
und schlägt sich scheppernd auf den Magen,
hetzt uns hinaus ins wilde Leben,
mahnt schallend uns an ernstes Streben,
auf das wir, wenn ins Bad wir hechten,
doch gar zu gern verzichten möchten!
Und dennoch, sind wir einmal ehrlich,
ist er doch einfach unentbehrlich,
denn schließlich schließt er ohne Frage
uns auf das Tor zum neuen Tage,
der, weiß man's denn, vielleicht beschert
die Freude, die man lang entbehrt !
Drum sei dem Wecker wohl gewogen:
Du hast ja selbst ihn aufgezogen !
(Anneliese Scherf-Clavel)